17.20 Topikalisierung und rhetorische Fragen

Das erläuterte Prinzip, welches der Informationsstruktur in Gebärdensprache zugrunde liegt, hat mit der Logik der visuellen Wahrnehmung zu tun. Ein Beispiel mit konkretem Bezug soll dies veranschaulichen: Lebewesen und Dinge schweben in der Regel nicht in der Luft, sie haben normalerweise eine Art Hintergrund (Menschen stehen zum Beispiel auf dem Boden). In der Gebärdensprache muss zuerst dieser Hintergrund erwähnt werden, um anschliessend Lebewesen/Dinge darin platzieren zu können. Dies wurde in Kapitel 17.11 in Beispiel (c) aufgezeigt: Um eine Früchteschale auf einen Tisch stellen zu können, muss zuerst der Tisch ‘vorhanden’ sein. Damit eine Katze in eine Früchteschale springen kann, muss diese zuerst auf den Tisch ‘gestellt’ werden. Wäre kein Hintergrund (Tisch, Früchteschale) vorhanden, würden aus dem Blickwinkel der visuellen Wahrnehmung Früchteschale und Katze herunterfallen. Erst anschliessend an diesen aus Sicht einer visuellen Sprache logischen Aufbau wird eine Handlung beschrieben. Diese Logik gilt auch für abstrakte Bezüge.
Zwei Techniken, welche zur Umsetzung der Informationsstruktur in Gebärdensprache (vom Allgemeinen zum besonderen Detail) genutzt werden, sind die Topikalisierung und rhetorische Fragen.

 

Topikalisierung

Topikalisierung bedeutet, dass zu Beginn das umfassende Thema angegeben wird und anschliessend spezifische Informationen dazu behandelt werden. Diese Technik ist in Gebärdensprache oft anzutreffen. Dazu zwei Beispiele:

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