Das einfache Verb kann im Satz an unterschiedlicher Stelle stehen. Folgende Anordnungen von Subjekt, Objekt und einfachem Verb sind korrekt: S-O-V, S-V-O und O-S-V. Dazu je ein Beispiel:

 

(a) S-O-V

ICH   BROT   KAUFEN  ||   00:42-00:44

‘Ich kaufe (ein) Brot.’

 

Das einfache Verb ‘KAUFEN’ steht am Schluss des Satzes.

 

(b) S-V-O

ICH   KAUFEN   BROT  ||   00:53-00:55

‘Ich kaufe Brot.’

 

Diese Reihenfolge ist üblich, wenn in der folgenden Aussage unmittelbar wieder auf das Objekt Bezug genommen wird wie in folgendem Beispiel:

 

(c) S-V-O

ICH   KAUFEN   BROT   IX-3  ||   IX-3  FEIN  Geste(sehr)  TEUER  IX-3  ||    01:03-01:07

‘Ich kaufe Brot. Es ist sehr fein, aber auch recht teuer.’

 

(d) O-S-V

BROT  |  ICH   IX-3   KAUFEN  ||   01:18-01:20

‘Brot kaufe ich.’

 

Um das Objekt zu betonen, es zum Thema des Satzes zu machen, wird es an den Anfang gestellt. Anschliessend folgt der Kommentar beziehungsweise die Aussage (Rhema) zum eingeführten Thema (Topikalisierung). Die thematische Hervorhebung wird mimisch, die Unterscheidung zwischen Thema und Rhema durch die unterschiedliche Haltung des Kopfes/Oberkörpers markiert.

Zu gewissen Verben der zweiten Kategorie muss das Hilfsverb PAM (‘person agreement marker’, Personenkongruenzmarker) hinzugefügt werden, um die Übereinstimmung von Verb und zuvor verorteten Referent:innen (Subjekt, Objekt) aufzuzeigen:

 

Personenkongruenzmarker PAM  01:48-01:49 / 01:56-01:57

 

Das Hilfsverbs PAM drückt durch die Bewegung des Handgelenks aus, wer die Handlung ausführt (Agens) und wer von der Aktion oder Handlung betroffen ist (Patiens oder Rezipient). Der Handrücken zeigt dabei immer in Richtung Subjekt (Agens), die Handfläche am Ende der Bewegung in Richtung Objekt (Patiens). Das Hilfsverb PAM folgt unmittelbar auf das Verb.

 

Dazu je ein Beispiel mit den Verben ‘LÜGEN’ und ‘MÖGEN’:

IX-3a   LÜGEN   aPAMb   ||   01:44-01:47

‘Er/sie lügt ihn/sie an.’

 

Das Hilfsverb PAM zeigt also auf, wer Subjekt und wer Objekt ist beziehungsweise welche der beiden Referent:innen die handelnde Person (Agens) ist und welche von der Aktion oder Handlung betroffen (Patiens) ist.

 

IX-3a   GERN-HABEN   aPAMb   ||   01:53-01:55

‘Er/sie mag ihn/sie.’

 

Das Hilfsverb PAM, welches zu gewissen einfachen körpergebunden Verben hinzugefügt wird, kann mit folgenden zwei Handformen ausgeführt werden:

 

(a) Handform 1  00:16-00:17

 

(b) Handform 2  00:18-00:19

 

Die erste Handform (a) ist nicht zu verwechseln mit der Gebärde ‘PERSON’.

 

‘PERSON’  00:25-00:26

 

PAM und ‘PERSON’ werden mit unterschiedlichen Bewegungsabläufen ausgeführt und haben eine je andere Funktion beziehungsweise Bedeutung.

 

Das Hilfsverb PAM kann mit der dominanten wie auch mit der nichtdominanten Hand ausgeführt werden.

Bei einfachen Verben handelt es sich um lexikalisierte Gebärden wie ‘SCHLAFEN’, ‘KAUFEN’, ‘SPIELEN’, ‘LESEN’, ‘DENKEN’, ‘LÜGEN’ oder ‘ARBEITEN’. Die Parameter Handform, Handstellung und Bewegung werden nie flektiert (grammatikalisch verändert). Einzig die Ausführungsstelle ist bei gewissen Verben modifizierbar (veränderbar).

 

Beispiele: Einige einfache Verben:

 

(a) SCHLAFEN   00:08-00:09

(b) KAUFEN   00:09-00:10

(c) SPIELEN   00:11-00:12

(d) LESEN   00:13-00:14

(e) DENKEN   00:14-00:15

(f) LÜGEN   00:16-00:17

(g) ARBEITEN   00:18-00:19

 

Die einfachen Verben lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: Die eine Kategorie umfasst Verben, welche im neutralen Gebärdenraum ausgeführt werden. Dazu gehören zum Beispiel ‘ARBEITEN’, ‘SPIELEN’, ‘LESEN’ und ‘KOCHEN’. Zur anderen Kategorie zählen körpergebundene Verben wie ‘SCHLAFEN’, ‘LÜGEN’, ‘ESSEN’ und ‘DENKEN’.

Bei Verben der ersten Kategorie kann die Ausführungsstelle im Gebärdenraum leicht modifiziert werden. Folgender Satz veranschaulicht diese Möglichkeit:

ICH HEUTE  MORGEN  IXa   ARBEITENa  |  ABEND  ICH  IXb    KOCHEN||   01:14- 01:18

‘Heute Vormittag arbeite ich, am Abend werde ich kochen’.

Die Verben ‘ARBEITEN’ und ‘KOCHEN’ werden in diesem Beispiel nicht vor dem Oberkörper, sondern links und rechts ausgeführt, da mit den Tätigkeiten unterschiedliche Orte assoziiert werden.

Eine Handlung beziehungsweise Aktion wird durch ein Verb ausgedrückt. Es werden folgende Verbarten unterschieden: Einfache Verben, übereinstimmende Verben, Ortswechsel- und Pfad-Verben, Hilfsverben, produktive Verbformen und Modalverben. Verben können mit zusätzlichen Informationen gleichzeitig angereichert werden.

Um die Unterschiede zwischen Teilnehmenden- und Erzähl-Perspektive nochmals hervorzuheben, folgen drei Beispiele mit gleichem Inhalt. Dieser wird einmal ohne Rollenwechsel aus der Erzähl-Perspektive wiedergegeben (a), einmal als CD (b) und einmal als CD und CA(c) (möglich wäre es auch, eine Sequenz nur als CA darzustellen, wenn lediglich eine Handlung wiedergegeben werden soll).   00:47

 

Erzähl-Perspektive:

(a)

Erz: ARBEIT   KOLLEGE   IX-3a   CHEF   IX-3b   3bFRAGEN3a  |  OB   GESTERN   SITZUNG   GUT   LAUFEN  jn? ||  IX-3a   SAGEN   GUT   LAUFEN   |   ZWEI   PERSONpl   KRANK   ||   IX-3b   AHA(nicken) ||    00:00-00:14

 

‘Der/die Vorgesetzte fragt den/die Arbeitskolleg:in, ob die Sitzung gestern gut verlaufen sei. Diese/r meint, es sei alles gut verlaufen, zwei Personen seien aber krank gewesen. Letzteres nimmt der/die Vorgesetzte zur Kenntnis.’

Die gebärdende Person nimmt in Beispiel (a) eine neutrale Haltung ein.

 

Teilnehmenden-Perspektive: Konstruierter Dialog:

(b)

Erz: ARBEIT   KOLLEGE   IX-3a   CHEF   IX-3b(oben)  Teiln (Chef)CD: 3bFRAGEN3a  GESTERN   SITZUNG   GUT   LAUFEN  jn?  ||  Erz: IX3a    SAGEN  Teiln(Arbeitskolleg)CD:  GUT   LAUFEN   |   ZWEI   PERSONpl   KRANK  IX-3b  Teiln (Chef)CD:  AHA(nicken)  ||     00:00-00:12

 

Der/die Vorgesetzte fragt den/die Arbeitskolleg:in, ob die Sitzung gestern gut verlaufen sei. Diese/r meint, es sei alles gut verlaufen, zwei Personen seien aber krank gewesen. Letzteres nimmt der/die Vorgesetzte zur Kenntnis.’

 

Die gebärdende Person übernimmt in Beispiel (b) die Rollen der beiden Gesprächsteilnehmenden, so als würde die Interaktion gerade jetzt stattfinden und modifiziert die übereinstimmenden Verben.

 

Teilnehmenden-Perspektive: Konstruierter Dialog und konstruierte Aktion:

(c)

Erz: ARBEIT   KOLLEGE   IX-3Teiln(Arbeitskolleg)CD/CD: PROD-tippen(Schreibojekt)  Erz: CHEF   3KOMMENl    TISCH  Teiln(Chef)CA/CD: PROD-klopfen(Tisch)  |   GESTERN   SITZUNG   GUT   LAUFEN  jn?  ||  Teiln(Arbeitskolleg)CD/CD: PROD-tippen(Schreibojekt)  | AH  |   SITZUNG   GUT  LAUFEN   ZWEI   PERSONpl   KRANK   PROD-tippen(Schreibojekt)   IX-3 Teiln(Chef)CD:  AHA(nicken)  |  Erz: GEHEN-WEG  ||  00:00-00:16

 

Der/die Vorgesetzte fragt den/die Arbeitskolleg:in, ob die Sitzung gestern gut verlaufen sei. Diese/r meint, es sei alles gut verlaufen, zwei Personen seien aber krank gewesen. Letzteres nimmt der/die Vorgesetzte zur Kenntnis.’

 

Die gebärdende Person übernimmt die Rollen der beiden Gesprächsteilnehmenden, so als würde die Interaktion gerade jetzt stattfinden. Sie gibt die Handlungen der beiden wieder, als würde sie diese gerade jetzt selbst ausführen. Somit entfallen auch die übereinstimmenden Verben.

Beim Rollenwechsel müssen die Verben besonders beachtet werden. Wird eine Sequenz als CD oder CA wiedergegeben, so werden die Verben modifiziert.

 

Zunächst ein Beispiel mit dem übereinstimmenden Verb ‘FRAGEN’ ohne Rollenwechsel:

(a) Erz:  MANN   IX-3a   FRAU   IX-3b    3bFRAGEN3a    ||   00:27-00:31

‘Die Frau fragt den Mann.’

Die gebärdende Person in Beispiel (a) nimmt eine neutrale Haltung ein. Das übereinstimmende Verb ‘FRAGEN’ bewegt sich vom Startpunkt, der das Subjekt repräsentiert (Frau) in Richtung des Endpunkts, der das Objekt (Mann) repräsentiert.

 

Derselbe Inhalt als CD wird folgendermassen gebärdet:

(b) Erz:  MANN   IX-3a   FRAU   IX-3b  Teiln(Frau)CD:  1FRAGEN3a   ||  00:42-00:45

‘Die Frau fragt den Mann.’

In diesem Beispiel (b) übernimmt die gebärdende Person die Rolle der Frau: Sie bewegt ihren Oberkörper in Richtung des Ortes im Gebärdenraum, welcher zuvor der Frau zugewiesen wurde und dreht sich in die Richtung des Ortes im Gebärdenraum, welcher zuvor dem Mann zugewiesen wurde. Ausgehend von dieser Position bewegt sich das Verb ‘FRAGEN’ in Richtung Verortung ‘MANN’.

 

Ein weiteres Beispiel eines übereinstimmenden Verbs in einem CD:

(c) Erz: IX-3a   MANN  Teiln(Mann)CD: 1ANTWORTEN3b    ||   00:59-01:01

‘Der Mann antwortet (der Frau)’

In diesem Beispiel (c) übernimmt die gebärdende Person die Rolle des Mannes: Sie bewegt ihren Oberkörper in Richtung des Ortes im Gebärdenraum, welcher zuvor dem Mann zugewiesen wurde und dreht sich in die Richtung des Ortes im Gebärdenraum, welcher zuvor der Frau zugewiesen wurde. Ausgehend von dieser Position bewegt sich das Verb ‘ANTWORTEN’ in Richtung Verortung ‘FRAU’.

 

Im folgenden Beispiel (d) aus CD und CA wird die Frage der Frau an den Mann als CA wiedergegeben:

(d) Erz: MANN   IX3a   FRAU    IX3b Teiln(Frau)CD: Geste-winken3b(zu Mann) |   WAS   MACHEN   DU   PALM-UP   w? ||    01:11-01:15

‘Die Frau fragt den Mann, was er mache.

Das übereinstimmende Verb ‘FRAGEN’ entfällt, da die gebärdende Person die Handlung des Fragens ausführt, als wäre sie selber die Frau.

Mit dem Rollenwechsel werden oft die realen räumlichen Gegebenheiten und Verhältnisse wiedergegeben. Dabei können unterschiedliche Blickwinkel und Bildausschnitte gewählt werden, so wie im Film die Kameraperspektiven und Einstellgrössen variieren können.

 

Die Übergänge zwischen Teilnehmenden- und Erzähl-Perspektive sind fliessend. Die tatsächlichen Raumverhältnisse werden auf diesem Kontinuum daher mehr (teilnehmend) oder weniger (erzählend) realitätsnah rekonstruiert.

Mit den gleichen Mitteln wie physische Positionen werden auch hierarchische Verhältnisse dargestellt. Dabei ist aber nicht der tatsächliche Standpunkt einer Person ausschlaggebend für die Verortung im Raum, sondern ihr Status. Eine Person, welche über mehr Macht und damit über einen höheren Status verfügt (wie zum Beispiel ein/e Vorgesetzter/r), wird im Gebärdenraum höher verortet, eine Person mit niedrigerem Status entsprechend tiefer.

(a) CHEF   00:09-00:10

 

Die hierarchischen Verhältnisse (Vorgesetzte/r – Angestellte/r – Lernende/r) sind im folgenden Beispiel gut ersichtlich:

(b) Erz: POSS-1   CHEFa(oben:Chef)   FRAGEN1    OB   KANN   ICH   1HELFENa(oben)   IX-3oben  | Geste-ah, warte |  ICH   1FRAGEN3(unten)   IX-3unten   LEHRLING    PERSONpl(unten) Teiln(Ich)schaut-untenCD:  MÖGLICH   IX-1pl(unten)  ||   00:32-00:40

 

‘Mein/e Chef:in fragt mich, ob ich ihm/ihr helfen könne. Ich bitte ihn/sie um einen Augenblick Geduld und frage den/die Lernende/n, ob er/sie helfen könne’.

In diesem Beispiel (b) wird der/die Vorgesetzte höher, der/die Lernende tiefer verortet. Entsprechend schaut die gebärdende Person (ICH) zum/zur Vorgesetzten hoch und das übereinstimmende Verb (siehe Kapitel 7) ‘FRAGEN’ bewegt sich von oben (Vorgesetzte/r) in ihre Richtung. Richtet die gebärdende Person (‘ICH’) eine Frage an den/die Lernende, so blickt sie nach unten und das übereinstimmende Verb ‘FRAGEN’ bewegt sich von ihr in Richtung Lernende/r.

Aus einer Teilnehmenden-Perspektive, wie sie beim Rollenwechsel eingenommen wird, werden unterschiedliche Positionen und Blickwinkel von Referent:innen der Realität entsprechend abgebildet (zum Beispiel die Sitzposition am Tisch und das Auflegen der Arme auf diesen, der Grössenunterschied zwischen Erwachsenen und Kindern oder zwischen stehenden und sitzenden Personen).

Zwischen der Teilnehmenden- und der Erzähl-Perspektive gibt es in Gebärdensprache allerdings fliessende Übergänge und damit ist auch der Grad an Realitätsnähe unterschiedlich. Dies gilt insbesondere für den CD. Eine subtile Änderung der Kopfhaltung oder des Oberkörpers ist hier ein Indiz dafür, dass die tatsächlichen Positionen und Blickwinkel nicht oder nur teilweise übernommen werden.

Um eine Handlung als CA wiederzugeben, nimmt die gebärdende Person hingegen meist durchgehend die Teilnehmenden-Perspektive ein.

 

Im folgenden Beispiel wird ein Dialog aus der Teilnehmenden-Perspektive rekonstruiert und damit die physischen Positionen und Blickwinkel der Gesprächsteilnehmenden realitätsgetreu wiedergegeben:

(a) Erz: POSS-1   CHEF   UNFALL   IXa   SPITAL   PROD-liegen(Chef)

Erz:  ICH   Teiln(Ich)stehendCA/CD:   WIE-GEHT’S ?

Erz:  IX-3(Chef)unten  Teiln(Chef)liegend-schaut-hinaufCD:  JETZT   BESSER   ||    01:09-01:30

‘Mein/e Chef:in hatte einen Unfall und liegt nun im Spital. Ich frage ihn/sie, wie es ihm/ihr gehe. Er/sie meint, es gehe ihm/ihr jetzt schon besser.

 

 

In der Rolle der/des Angestellten beugt sich die gebärdende Person vor und blickt nach unten zum/zur liegenden Vorgesetzten. Sie nimmt also genau die Haltung ein, welche der/die Angestellte in der Realität einnehmen würde. In der Rolle des/der Vorgesetzten blickt sie nach oben, genauso wie diese/r zum/zur stehenden Angestellten hochschauen würde.

Konstruierter Dialog (CD) und konstruierte Aktion (CA) überlappen sich oft. Das Verhältnis kann dabei ganz unterschiedlich sein.

Nichtmanuelle und manuelle Komponenten kennzeichnen einen konstruierten Dialog oder eine konstruierte Aktion auf unterschiedliche Weise:

 

Nichtmanuelle Komponenten:

  • Blick: Ist der Blick auf die Adressat:innen gerichtet, so handelt es sich in der Regel um die Erzähl-Perspektive (Video – 0:38-0:39). Wird der Blick jedoch von den Adressat:innen weg auf einen Punkt im Gebärdenraum hin gerichtet, so kann dies auf CD oder CA
    00:50-00:55

 

  • Mimik: Die Stärke der Mimik kann auf CA oder CD
  • Mundbilder und Mundformen: Mundbilder sind eher ein Indiz für CD, Mundformen eher für CA
  • Veränderungen der Kopfhaltung weisen sowohl auf CD wie CA

01:28-o1:32

  • Veränderungen der Oberkörperhaltung weisen ebenfalls auf CD und CA

01:37-01:39

 

Manuelle Komponenten:

  • Die manuellen Komponenten geben darüber Auskunft, ob es sich bei einer Gebärde um eine lexikalisierte oder um eine produktive Gebärde (siehe Kapitel 7) handelt. CD benutzt eher lexikalisierte Gebärden, CA vermehrt produktive Gebärden. Es gibt verschiedene Arten produktiver Gebärden wie Manipulator, Substitutor, Skizze. Ein hoher Anteil an Manipulatoren und Substitutoren sind ein Indiz für CA.

 

Um eine Erzählung abzuschliessen, eine Sequenz mit CA oder CD zu beenden, wird oft wieder die Erzähl-Perspektive eingenommen. Dies wird dadurch signalisiert, dass wieder Blickkontakt mit den Adressat:innen hergestellt wird.

 

Folgende Schilderungen enthalten sowohl CD wie auch CA:

 

(a)

Erz: MUTTER  UND   SOHN  IXKÜCHE  ||  BUB   PROD-sitzen(Bub)  HAUSAUFGABEN  SCHREIBEN-MACHEN  |  IXb   BUCH Teiln(Bub)CA: PROD-nehmen(Buch)   PROD-blättern-halten(Buch) Teiln(Bub)CA/CD:  HEY   MAMA   SAGEN   |  Erz: MAMA  Teiln(Mama)CA: PROD-schneiden(Objekt) CA/CD: WAS?  |  Erz: BUB  Teiln(Bub)CA: PROD-nehmen(Buch)   PROD-halten-zeigen(Buch)  |  CA/CD: ICH   NICHT   VERSTEHEN  IXb  WAS  BEDEUTEN   IXb  |  Erz: MAMA  Teiln(Mama)CA:  PROD-schneiden-halten(Objekt)  |  LESENb(Buch)CA/CD:  AH,   BEDEUTEN  SO-UND-SO  CD:  PROD-schneiden(Objekt)  |  Erz: BUB  Teiln(Bub)CA:  PROD-nehmen(Buch)  |  AH   ERLEICHTERT   PROD-schreiben(Buch)  ||    00:00-00:27

 

‘Mutter und Sohn befinden sich in der Küche. Der Sohn sitzt am Tisch, blättert einige Seiten in einem Buch um und wendet sich fragend an die Mutter, die gerade am Schneiden/Rüsten ist. Sie möchte wissen, was los ist. Er zeigt auf eine Stelle im Buch und erklärt, dass er nicht verstehe, was das bedeute. Die Mutter hört auf zu schneiden, dreht sich um, liest im Buch und erklärt, was dies bedeute. Danach dreht sie sich wieder weg und schneidet weiter. Der Junge versteht jetzt und dreht das Buch wieder zu sich. Erleichtert schreibt er hinein.’

 

 

Sequenzen Beispiel (a) mit CD und CA:

 

CA Sohn (00:09-00:10): Blättert einige Seiten in einem Buch um.

CD/CA Sohn (00:10-00:11): Mama! / Hält gleichzeitig das BUCH fest.

CA Mutter (00:12-00:13): Ist gerade etwas am Schneiden/Rüsten.

CD (00:13-00:14): Was möchtest du?

CA Sohn (00:15): Dreht das Buch zur Mutter.

CA/CD Sohn (00:15-00:18): Das habe ich nicht verstanden, was bedeutet das? / Hält gleichzeitig das BUCH fest.

CA/CD Mutter (00:19-00:20): Hört auf zu schneiden. / Hält gleichzeitig das Messer. / Liest im Buch und antwortet.

CD Mutter (00:20-00:22): Aha, das bedeutet … .

CA Mutter (00:22-00:23): Dreht sich zurück und schneidet weiter.

CA Sohn: (00:23-00:24): Aha. Dreht das Buch wieder zu sich.

CA Sohn (00:24-00:25): Schreibt erleichtert hinein.

 

Die gebärdende Person beschreibt einleitend die Situation aus der Erzähl-Perspektive (‘Mutter und Sohn befinden sich in der Küche.’). Der Blick ist auf die Adressat:innen gerichtet.

Danach folgt der konstruierte Dialog zwischen Mutter und Sohn. In dieser Sequenz wird nur hin und wieder Blickkontakt mit den Adressat:innen hergestellt, um das Gespräch aufrechtzuhalten. Das Turntaking, also der Wechsel zwischen den Aussagen von Mutter und Sohn, wird markiert durch die Veränderung von Oberkörper- und Kopfhaltung, Blickrichtung und Mimik. Die Handlungen der beiden (‘BLÄTTERN, ‘DREHEN, ‘FRAGEN, ‘SCHNEIDEN, ‘ANTWORTEN’ etc.) werden mit konstruierter Aktion dargestellt. CD und CA überlappen sich zum Teil. Zum Schluss wendet sich die gebärdende Person wieder ganz den Adressat:innen zu und beendet mit dem Schliessen und Senken der Hände die Schilderung.

 

(b)

Erz: MANN   aKOMMENb   TÜR   SCHLÜSSEL  Teiln(Mann)CA:  PROD-nehmen(Schlüssel aus Hosentasche)   PROD-stecken(Schlüssel)   PROD-drücken(Türklinke)   PROD-drehen(Schlüssel)  |   KLAPPT   NICHT  CD: schauta(rechts)   WIESO?  ||  Erz: IX-3FRAU   IX-3Teiln(Frau)CD/CA:  PROD-tippen-anhalten(Schreibobjekt)  AH   |  DU  FALSCH   SCHLÜSSEL   IX|  ICH  RICHTIG  SCHLÜSSEL  ICH   PROD-schieben(Schublade)   PROD-nehmen-zeigen(Schlüssel)   RICHTIG    IXErz: MANN  Teiln(Mann)CD:  AH, DANKE ||  00:00-00:16

 

‘Der Mann läuft zu einer Türe. Er zieht einen Schlüssel aus seinem Hosensack und will sie aufschliessen. Zu seiner Arbeitskollegin gerichtet meint er ratlos, dass sich die Türe nicht öffnen lasse. Darauf antwortet sie, dass er den falschen Schlüssel genommen habe, der richtige sei bei ihr in der Schublade. Der Mann reagiert erleichtert und bedankt sich bei seiner Kollegin.‘

 

Sequenzen Beispiel (b) mit CD und CA:

 

CA Mann (00:02-00:06): Zieht einen Schlüssel aus der Hosentasche, steckt ihn ins Schlüsselloch, dreht den Schlüssel und drückt die Klinke mehrmals.

CD Mann (00:05-00:07): Ich kann die Türe nicht öffnen.

CA Frau (00:07-00:08): Ist am Tippen.

CD/CA Frau (00:08-00:10): Das ist der falsche Schlüssel. / Tippt gleichzeitig weiter. / Den richtigen Schlüssel habe ich …

CA/CD Frau (00:10-00:13): … bei mir in der Schublade. Nimmt den Schlüssel aus der Schublade und zeigt ihn ihrem Kollegen. Das ist der richtige. Hält sich gleichzeitig am Tisch fest.

CD Mann (00:13-00:14): Ah, danke.

 

Die gebärdende Person beschreibt einleitend die Situation aus der Erzähl-Perspektive (‘Der Mann geht zu einer Türe.’). Der Blick ist auf die Adressat:innen gerichtet. Danach folgt der konstruierte Dialog zwischen Mann und Frau. Auch in dieser Sequenz wird nur hin und wieder Blickkontakt mit den Adressat:innen hergestellt, um das Gespräch aufrechtzuerhalten. Das Turntaking zwischen den Aussagen von Mann und Frau wird auch hier markiert durch die Veränderung von Oberkörper- und Kopfhaltung, Blickrichtung und Mimik. Die Handlungen der beiden (‘RAUSNEHMEN, ‘EINSTECKEN‘, DREHEN, ‘RÜTTELN’, ‘TIPPEN’ etc.) werden mit konstruierter Aktion dargestellt. CD und CA überlappen sich zum Teil.

Zum Schluss wendet sich die gebärdende Person wieder ganz den Adressat:innen zu und beendet mit dem Schliessen und Senken der Hände die Schilderung.

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