Tausenderzahlen (1‘000 bis 9‘000) setzen sich immer aus zwei Gebärden, der Gebärde für die Einerzahl (1, 2, 3, … ) und der Gebärde ‚TAUSEND‘ zusammen:

(a) EINS + TAUSEND  usw.  – 00:13-00:14


Die Bewegung der Gebärde ‚TAUSEND‘ gleicht jener der älteren Gebärde für ‚HUNDERT‘. Sie wird mit der gleichen Handform und Drehbewegung ausgeführt, jedoch mit gleichzeitiger Vorwärts- und stärkerer Pfad-Bewegung.

Jahreszahlen beziehen sich auf den Zeitraum eines ganzen Jahrhunderts. Sie geben beispielsweise das Geburtsjahr einer Person an. In DSGS wird eine Jahreszahl wie z.B. 1963 nicht in der Abfolge ‚TAUSEND‘ – ‚NEUNHUNDERT‘ – DREIUNDSECHZIG‘ dargestellt, sondern als ‚NEUNZEHN‘ – ‚HUNDERT‘ – ‚DREIUNDSECHZIG‘, wobei nach der Gebärde ‚HUNDERT‘ eine kurze Pause eingelegt wird:

(a) NEUNZEHN + HUNDERT   Kurzpause   DREISECHZIG  – 00:24-00:25
‚1963 … .‘

Ebenso ist erlaubt, nur die Zehnerzahl (63) zu gebärden, wenn das Jahrhundert vorher benannt wurde oder aus dem Kontext hervorgeht. 

Bezieht sich die gebärdende Person auf einen mehr oder weniger eingegrenzten historischen Zeitraum, während dem etwas stattgefunden hat, so wird eine Gebärde hinzugefügt, welche eine ungefähre Dauer bezeichnet:

(b) NEUNZEHN + HUNDERT  Kurzpause   FÜNFZIG   ZL(b-ZWISCHEN)  – 00:39-00:41
‚In den (neunzehnhundert)fünfziger Jahren … .‘

Auch hier kann das Jahrhundert weggelassen werden, wenn dies ersichtlich ist:

(c)
ACHTZIG   ZL(b-ZWISCHEN) oder  ACHTZIG   ZEIT   ZL(b-ZWISCHEN)  – 00:49-00:51
‚In den Achtzigerjahren … .‘

Hunderterzahlen (100, 200, 300, …) können auf zwei unterschiedliche Arten ausgeführt werden. Eine ältere Variante besteht aus zwei Gebärden; die heute am häufigsten verwendete Variante ist die Reduzierung dieser Gebärdenkombination auf eine Gebärde.

Ältere Variante

Die Hunderterzahl setzt sich zusammen aus der Gebärde für die Einerzahl (1, 2, 3, …) und der Gebärde ‘HUNDERT’: 

(a) EIN  HUNDERT  I   ZWEI  HUNDERT   I  DREI  HUNDERT   – 00.42-00.45
‚100, 200, 300.’

Die Gebärde ‘HUNDERT’ kann dabei mit zwei unterschiedlichen Bewegungen ausgeführt werden. Die Handform ist jedoch bei beiden Varianten dieselbe (Faust):

(b) EIN-HUNDERT – 00.24-00.28
‚100.‘

Aktuell am häufigsten verwendete Variante

Diese Variante setzt sich immer stärker durch. Sie inkorporiert die Gebärde für die Einerzahl (1, 2, 3, …) in die Abwärtsbewegung der Gebärde ‘HUNDERT’:

(c) EIN-HUNDERT   ZWEI-HUNDERT   DREI-HUNDERT   VIER-HUNDERT … – 00.55-00.57
‚100, 200, 300, 400, 500, 600, 700.’

Die Zehnerzahlen (20, 30, 40, …) werden mit einer sogenannten Pronation ausgeführt (Auswärtsdrehung des Unterarms, wobei die Handfläche zunächst zur gebärdenden Person zeigt und anschliessend nach vorne gedreht wird):

(a) ZWANZIG  DREISSIG   VIERZIG   FÜNFZIG  SECHZIG   SIEBZIG   ACHTZIG   NEUNZIG  – 0:15-0.20

In der Regel sind die Handformen der Gebärden für die unterschiedlichen Zahlen klar festgelegt. Die Zahlen 1, 2 und 4 dürfen jedoch auch mit einer alternativen Handform ausgeführt werden:

(a) Alternative Handform Zahl 1

00:18

(b) Alternative Handform Zahl 2

– 0:23

(c) Alternative Handform Zahl 4

– 0:28

Diese Varianten sind nur für die Bildung der Einerzahlen (1, 2, 4), jedoch nicht für die Bildung der Zehnerzahlen (21, 22, 24, …) erlaubt. Wann die alternativen Handformen benutzt werden, ist abhängig vom situativen Kontext und den anwesenden Personen. Sie kommen bei internationalen Begegnungen / in Kontaktsprachen zur Anwendung.

Die Zahlen 13 bis 19 unterscheiden sich von den Zahlen 3 bis 9 einzig durch die Bewegung: Die Hand beziehungsweise die Hände führt / führen eine kleine kreisende Bewegung zur Seite hin aus:

(a) DREIZEHN   VIERZEHN   FÜNFZEHN   SECHSZEHN   SIEBENZEHN   ACHTZEHN   NEUNZEHN  – 00:18-00:25
‚13, 14, 15, 16, 17, 18, 19.‘

Für die Zahlen 11 und 12 existieren unterschiedliche Gebärden (einhändig oder zweihändig):

(b) ELF   ZWÖLF  00:35-00:37

‚11, 12.‘

Die Zahlen ‚11‘ und ‚12‘ werden in einigen Dialekten (b) einhändig gebärdet mit einem kurzen Halt zu Beginn der Ausführung, gefolgt von einer Abwärtsbewegung.

(c) ELF   ZWÖLF  – 00:45-00:46

‚11, 12.‘

Die zweihändige Ausführung in Beispiel (c) mit identischen Handformen von dH und ndH, jedoch asynchroner Bewegung findet sich in anderen Dialekten.

(d) ELF   ZWÖLF   DREIZEHN  … – 00:52-00:54

‚11, 12, 13, … .‘

Im Gegensatz zu den Beispielen (b) und (c) werden die Zahlen 11 und 12 in Beispiel (d) nach denselben Regeln ausgeführt wie die Zahlen 13 bis 19.

Dass die  Zahlen 11 und 12 in den Varianten (b) und (c) mit den Zahlen 13 bis 19 nichts gemein haben, ist historisch begründet: Hier ist der Einfluss der lautsprachlich orientierten Bildung auf einzelne Gebärden erkennbar: Die Wörter «elf» und «zwölf» unterscheiden sich von der Bildung der Wörter «drei-zehn», «vier-zehn», usw. Diese Unterscheidung widerspiegelt sich ebenfalls in den entsprechenden – ein- oder zweihändig ausgeführten – Gebärden.

In der Dialektvariante in Beispiel (d) ist der lautsprachliche Einfluss eliminiert.

Diese Unterscheidung widerspiegelt sich in den entsprechenden Gebärden.

Das Zählen beginnt stets mit der dH. Ab der Zahl 6 wird die Zahl 5 mit der passiven Hand gehalten, das Weiterzählen geschieht mit der aktiven Hand. Bei jeder neuen Zahl erfolgt eine leichte, kurze Vorwärtsbewegung der Hand / der Hände:

(a) EINS   ZWEI   DREI   VIER   FÜNF  SECHS   SIEBEN   ACHT   NEUN   ZEHN – 00:14-00:21

Die Handflächen sind normalerweise auf die gebärdende Person gerichtet, es sei denn, es wird vor einem grossen Publikum gebärdet; in diesem Fall dürfen die Handflächen der gebärdenden Person nach vorne zeigen und die Gebärden werden weiter oben und vorne im Gebärdenraum ausgeführt, so dass sie für alle gut sichtbar sind (analog dem lauten Sprechen in der gesprochenen Sprache):

(b) ACHT   NEUN – 00:36-00:37

Die Darstellung von Zahlen / Nummern in einer Sprache ist in den entsprechenden kulturellen Kontext eingebunden. In der DSGS sind die griechischen Zahlen und das Dezimalsystem Grundlage dafür.

Die Zahlen 1 bis 10 werden folgendermassen gebärdet:

(a) EINS   ZWEI   DREI   VIER   FÜNF  SECHS   SIEBEN   ACHT   NEUN   ZEHN   – 00:14-00:20

Begonnen wird mit dem ausgestreckten Daumen der dominanten Hand (dH) für die Zahl 1; es folgt jeweils zusätzlich der benachbarte ausgestreckte Finger für die nachfolgende Zahl. Bei den Zahlen 4 und 9 wird der Daumen nicht miteinbezogen; sie werden mit ausgestrecktem Zeige-, Mittel-, Ring- und kleinem Finger der dH dargestellt.

Alternativ dazu können die Zahlen 4 und 9 auch wie folgt gebärdet werden:

(b) Alternative Darstellung Zahl 4   – 00:23

Anstelle des kleinen Fingers wird der Daumen ausgestreckt.

(c) Alternative Darstellung Zahl 9   – 00:24

9_9

Anstelle des kleinen Fingers wird der Daumen ausgestreckt.

Begonnen wird mit Zählen jedoch auch bei diesen alternativen Gebärden mit dem ausgestreckten Daumen für die Zahl 1, wie in (a) aufgezeigt.

Zahlen spielen in unterschiedlichsten Bereichen eine Rolle. Die Mathematik ist nur einer davon. Im Folgenden wird die Darstellung einiger ausgewählter Arten mathematischer Zahlen in DSGS aufgezeigt. Fokussiert wird dabei auf natürliche Zahlen (0; 1; 2; 3; …), ganze Zahlen (…; -3; -2; -1; 0; 1; 2; 3; …) und rationale Zahlen (1/2; 3/4; -2/8; …). In der Mathematik sind Zahlen meist an Masseinheiten (Länge, Fläche, Volumen, Gewicht, Zeit), Geldeinheiten, Altersangaben o.a. gebunden. In diesem Kapitel wird u.a. speziell der Bezug zu Zeiteinheiten (Kapitel 8.32) und Geldbeträgen (Kapitel 8.33) betrachtet.

Es ist nicht immer einfach zu erkennen, wo eine Aussage endet und eine neue beginnt. Während in der gesprochenen Sprache Anfang und Ende einer Aussage durch Intonation gekennzeichnet sind, werden in Gebärdensprachen dazu v.a. nicht-manuelle Komponenten eingesetzt.

 

Kennzeichnung Satzanfang:

  • Hochziehen der Augenbrauen
  • Leichtes Öffnen der Augen
  • Leichtes Hochziehen des Kinns
  • Aufrichten des Oberkörpers
  • Heben der Hände / Arme

 

Kennzeichnung Satzende:

  • Neutrale Mimik
  • Neutrale Position des Kinns
  • Neutrale Position des Oberkörpers
  • oft Kopfnicken
  • oft PALM-UP oder Gebärde ‚FERTIG‘
  • oft Wiederholung und Halten einer Pronominalen Referenz (Subjekt, Objekt)
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