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Das Fingeralphabet, das dem in anderen deutschsprachigen Ländern verwendeten ähnlich ist, wurde in der Schweiz von den Gebärdenden der DSGS in der Zeit zwischen 1975 und 1980 eingeführt. Es war von Beginn an lediglich als Hilfsmittel zur Darstellung der Schreibweise von Wörtern gedacht und wurde nur in Ausnahmefällen benutzt, wenn die Schreibweise eines Wortes nicht abgelesen werden konnte. In dieser Funktion handelt es sich beim Fingeralphabet – auch heute noch – also um eine Form der Umstellung auf ein Wort aus der geschriebenen beziehungsweise gesprochenen Sprache. Es wurde und wird oft für Begriffe verwendet, für die es keine konventionalisierten Gebärden gibt (u.a. für Personen- oder Ortsnamen oder Fachbegriffe, die entweder neu sind oder in der örtlichen Gehörlosengemeinschaft nicht oft verwendet werden).
Heute wird das das Fingeralphabet von allen Benutzenden der DSGS auf verschiedene Weise verwendet. Nun stellt sich die Frage, ob es sich dabei immer noch nur um ein Hilfsmittel handelt oder ob es Teil der Gebärdensprache geworden ist. Welche Überschneidungen beziehungsweise Berührungspunkte zwischen Fingeralphabet und Gebärdensprache es heute gibt, welche Funktionen das Fingeralphabet heute übernimmt, wird im Folgenden aufgezeigt.
Zu erwähnen ist an dieser Stelle die Abneigung der DSGS-Gemeinschaft gegen das Buchstabieren aus verschiedenen historischen und individuellen Gründen (u.a. Abwertung der Gebärdensprache gegenüber der Lautsprache).
Es gibt lexikalisierte Gebärden, welche gebildet wurden durch die Kombination des ersten Buchstabens eines deutschen Wortes mit bestimmten manuellen Komponenten, wie folgende Beispiele zeigen. Voraussetzung für ihre Integration als lexikalisierte Gebärden in die DSGS ist die Akzeptanz der Gemeinschaft der DSGS-Nutzenden.
Einhändige Gebärden
(a) ‚G‘ -> ‚GYMNASIUM‘ 00:14-00:15
(b) ‚U‘ -> ‚UNIVERSITÄT‘ 00:16-00:17
Zweihändige synchrone Gebärden
(c) ‚T‘ -> ‚TEAM‘ 00:22-00:23
(d) ‚V‘ ->‚VEREIN‘ 00:25-00:26
Gebärde ‚ VEREIN ‘.
(e) ‚K‘ -> ‚KURS‘ 00:27-00:29
Zweihändige asynchrone Gebärden
(f) ‚K‘ -> ‚KONZEPT‘ 00:31-00:33
(g) ‚C‘ -> ‚CURRICULUM‘ 00:33-00:34
(a) W-O-R-T-SCH-A-T-Z -> W-S
WS: (WortSchatz) 00:02-00:03
Die lexikalisierte Gebärde für die deutsche Wortzusammensetzung (Kompositum) ‘Wortschatz’ ist aus seinen beiden Anfangsbuchstaben (‘Wort-Schatz’) entstanden.
Es gibt nur wenige lexikalisierte Gebärden, welche durch solche Komprimierung entstanden sind.
(a) W-O-R-T-SCH-A-T-Z -> W-S
WS: (WortSchatz)
00:02-00:03
Die lexikalisierte Gebärde für die deutsche Wortzusammensetzung (Kompositum) ‘Wortschatz’ ist aus seinen beiden Anfangsbuchstaben (‘Wort-Schatz’) entstanden.
Es gibt nur wenige lexikalisierte Gebärden, welche durch solche Komprimierung entstanden sind.
Das Fingeralphabet ist ein Hilfsmittel, welches auf der Schriftsprache basiert und dazu dient, die einzelnen Buchstaben eines Wortes/des Alphabets mit unterschiedlichen Handkonfigurationen nachzubilden. Die Schreibweise eines Wortes jeder beliebigen Sprache kann auf diese Weise buchstabiert und somit vom Gegenüber besser abgelesen und erfasst werden.
Unterschiedliche Länder haben ähnliche oder auch ganz unterschiedliche Systeme von Fingeralphabeten entwickelt; es existieren sowohl einhändige wie auch zweihändige Fingeralphabete.
Auf folgendem Bild ist das Fingeralphabet der deutschen Schweiz dargestellt. Es findet unterschiedliche Verwendung und hat sich im Laufe der Zeit in gewisser Weise in die DSGS integriert. Wie es dazu gekommen ist, dass ein Hilfsmittel wie das Fingeralphabet eine natürliche Sprache wie die DSGS beeinflusst und zu geringfügigen Veränderungen der DSGS geführt hat, wird im Folgenden erläutert.
Auf dem untenstehenden Bild ist das Fingeralphabet (ABC) zu sehen. Es wird von den Benutzenden der DSGS auf verschiedene Weise verwendet. Im Folgenden werden die Entstehung und Entwicklung des Fingeralphabets im Laufe der Zeit, seine Aufgaben und Funktionen besprochen und es wird aufgezeigt, inwiefern das Fingeralphabet Einfluss auf die DSGS genommen hat.
Jedem Buchstaben des Alphabets entspricht eine eigene Handkonfiguration. Für die Umlaute Ä, Ö und Ü sowie die Buchstabenkombinationen CH und SCH existieren ebenfalls eigene Handkonfigurationen.
(a) Ä 00:15
(b) Ö 00:18
(c) Ü 00:20
(d) CH 00:24
(e) SCH 00:27
In der Regel zeigt beim Ausführen des Fingeralphabets die Handfläche der dominanten Hand in der Höhe des Oberkörpers in ruhiger Position nach vorne. Ausnahmen davon bilden zum Beispiel die Buchstaben(kombination) C und CH (Handfläche zeigt nach links beziehungsweise nach rechts), G und H (Handfläche zeigt Richtung Körper) oder P und Q (Handfläche zeigt nach links beziehungsweise nach rechts).