Es folgen Beispiele zur Position der Verneinung von Ortswechsel-Verben:

(d)

nmk:                                        schütteln 

MANN  IX3  NICHT  BASEL  HINGEHEN  ||   00:00-00:03

‚Der Mann geht nicht nach Basel.‘

Die Verneinung (einmalige Bewegung) steht in diesem Beispiel vor dem Ortswechsel-Verb.

 

Wird die Verneinung mit wiederholter Bewegung ausgeführt, so kann sie auch nach dem Verb / am Schluss stehen, wie folgendes Beispiel zeigt:

(e)

nmk:                                                  schütteln

MANN  IX3   BASEL  HINGEHEN  |  NICHT++  ||   00:13-00:15

 

Möglich wäre es auch, die Verneinung mit wiederholte Bewegung an den Anfang zu stellen. Sie muss dann aber am Schluss auf die gleiche Weise wiederholt werden:

(f)

nmk:                                                                   schütteln 

NICHT++  |  MANN  IX3   BASEL  HINGEHEN NICHT++  ||   00:19-00:23

 

Welche der aufgeführten Möglichkeiten umgesetzt wird, ist immer auch vom Kontext abhängig.

(d)

nmk:                                 schütteln 

AUTO  IX-3   NICHT   ROT   IX-3    ||   00:01-00:04

‘Das Auto ist nicht rot.’

 

Auf das Subjekt folgt die Verneinung mit einmaliger Bewegung und danach die Gebärde ‚ROT‘. Die Verneinung befindet sich innerhalb des Satzes.

(e)

nmk:                                schütteln

AUTO   IX-3   ROT  |  NICHT++    ||   00:19-00:22

‘Das Auto ist nicht rot.’

 

In diesem Beispiel steht die Verneinung am Schluss, sie wird mit wiederholter Bewegung ausgeführt.

Dieselbe Stellung (am Schluss) nimmt die Verneinung auch in einem Satzgefüge ein:

(f)

nmk:                       schütteln       1x nicken

AUTO   IX-3   ROT   NICHT++  |  BLAU   ||   00:34-00:38

‘Das Auto ist nicht rot, sondern blau.’

 

In diesem Beispiel (f) geht es um eine ‚Gegenüberstellung‘ im Sinne von ‚nicht so, sondern so‘. Die Verneinung vor dem Komma, also innerhalb des Satzgefüges, wird mit einer einmaligen Bewegung ausgeführt.

 

Eine Verneinung mit einmaliger Bewegung wird innerhalb, eine Verneinung mit wiederholter Bewegung wird vor einem Komma oder am Satzende platziert.

(a)

nmk:                                     schütteln

BUCH  IXa  ICH  *NOCH  NICHT  LESENa  ||    00:04-00:08

‘Ich habe das Buch – noch – nicht – gelesen.’

 

Die Begriffe NOCH und NICHT gemeinsam zu benutzen, macht aus Sicht der DSGS keinen Sinn; die beiden Begriffe stehen in einem logischen Widerspruch zueinander: ‘NOCH’ deutet an, dass allenfalls beabsichtigt wird, das Buch zu lesen, ‚NICHT’ macht diese Aussage gleich wieder rückgängig.

Es folgen einige Beispiele dazu, wie die Modifikation von Handform und Bewegung unterschiedliche Nuancen einer Verneinung hervorbringen können. In der gesprochenen Sprache kommen solche Nuancen durch die Modulation der Stimme und/oder durch verstärkende oder abschwächende Worte zum Ausdruck. In der geschriebenen Sprache durch Interpunktion, das Hinzufügen verstärkender oder abschwächender und das Hervorheben einzelner Worte.

(e)

nmk:                                schütteln

LEHRER  IX  NULL(2H: Hf-F)  3SAGEN| ICH  MÜSSEN  AUFRÄUMEN ||    00:00-00:08

‚Der Lehrer / die Lehrerin hat mir nicht gesagt, dass ich aufräumen müsse!‘

 

(f)

nmk:                                  leicht schütteln

LEHRER  IX  NULL(2H: Hf-F;zittrig)  3SAGEN| ICH  MÜSSEN  AUFRÄUMEN ||    00:09-00:16

‚Der Lehrer / die Lehrerin hat mir nicht gesagt, dass ich aufräumen müsse.‘

 

(g)

nmk:                  leicht-schwach schütteln

LEHRER  IX  NULL(1H: Hf-F:zittrig)  3SAGEN| ICH  MÜSSEN  AUFRÄUMEN ||   00:17-00:22

‚Der Lehrer / die Lehrerin hat mir nichts von aufräumen gesagt.‘

 

Die Verneinungen werden von Beispiel (e) bis hin zu Beispiel (g) zunehmend abgeschwächt formuliert.

 

In den folgenden zwei Beispielen (h) und (i) kommt die Verneinung im Vergleich zu Beispiel (e) um einiges vehementer zum Ausdruck:

(h)

nmk:                                            schütteln

LEHRER  IX  NULL(2H: Hf-F-Gross)  3SAGEN| ICH  MÜSSEN  AUFRÄUMEN ||   00:23-00:27

‚Der Lehrer / die Lehrerin hat mir gar nichts davon gesagt, dass ich aufräumen müsse!‘

 

(i)

nmk:                              1x-schütteln

LEHRER  IX  NULL(2H: Hf-O-hart)  3SAGEN| ICH  MÜSSEN  AUFRÄUMEN ||    00:28-00:33

‚Der Lehrer / die Lehrerin hat mir überhaupt gar nichts davon gesagt, dass ich aufräumen müsse!

 

Hier die aufgezeigten Verneinungen im Überblick:

Handelt es sich bei einer Verneinung um eine Aufforderung oder Bitte, etwas nicht zu tun, so wird die Bewegung der verneinenden Gebärden ‚NICHT‘ (mit Zeigefinger-Handform oder offener Hand) oft wiederholt. Zusätzlich dazu spielt die Ausführungsstelle eine wichtige Rolle. Zwei Aussagen, welche an zwei unterschiedlichen Loki verortet sind, werden einander gegenübergestellt: Der erste Lokus steht für die Aussage ‘So soll es nicht sein’ und der zweite Lokus für die Aussage ‘So soll es sein’.

 

(a) NICHT++ ( klein)

(b) NICHT++ (Hf-5: klein)  00:12-00:14

‘So soll es nicht sein – so soll es sein.’

 

Die nichtmanuellen Komponenten sind ebenfalls daran beteiligt, eine Aufforderung oder Bitte zu transportieren: Oberkörper und Kopf sind nach vorne gerichtet.

 

Die rückwärtsgerichtete Haltung kommt – im Gegensatz zur Ablehnung in dieser Position – einer Abschwächung der Aufforderung oder Bitte gleich.

 

Im Gegensatz zum Befehl, welcher eine einmalige Bewegung der verneinenden Gebärden ‚NICHT‘ erfordert, wird die Bewegung bei einer Aufforderung wiederholt.

Handelt es sich bei einer Verneinung um eine Aufforderung oder Bitte, etwas nicht zu tun, so wird die Bewegung der verneinenden Gebärden ‚NICHT‘ (mit Zeigefinger-Handform B  oder offener Hand 5 ) oft wiederholt. Zusätzlich dazu spielt die Ausführungsstelle eine wichtige Rolle. Zwei Aussagen, welche an zwei unterschiedlichen Loki verortet sind, werden einander gegenübergestellt: Der erste Lokus steht für die Aussage ‘So soll es nicht sein’ und der zweite Lokus für die Aussage ‘So soll es sein’.

 

(a) NICHT++ ( klein)

(b) NICHT++ (Hf-5: klein)  00:45-00:48

‘So soll es nicht sein – so soll es sein.’

 

 

Die nichtmanuellen Komponenten sind ebenfalls daran beteiligt, eine Aufforderung oder Bitte zu transportieren: Oberkörper und Kopf sind nach vorne gerichtet.

 

Die rückwärtsgerichtete Haltung kommt – im Gegensatz zur Ablehnung in dieser Position – einer Abschwächung der Aufforderung oder Bitte gleich.

 

Im Gegensatz zum Befehl, welcher eine einmalige Bewegung der verneinenden Gebärden ‚NICHT‘ erfordert, wird die Bewegung bei einer Aufforderung wiederholt.

Die manuellen Komponenten Bewegung und Handform spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, eine Verneinung als Befehl zu gestalten. Da es sich bei einem Befehl per se um eine Verstärkung handelt, muss die verneinende Gebärde ‚NICHT‘ (mit Zeigefinger-Handform) zwingend mit einmaliger Bewegung ausgeführt werden.

 

(a) NICHT(scharf, fest) Zeigefinger-Handform einhändig    00:38-00:39

‚Nicht!‘

 

Der Befehl selbst kann ebenfalls noch verstärkt werden, indem die Gebärde ‚NICHT‘ zweihändig oder mit der offenen Hand 5  (einhändig oder zweihändig) ausgeführt wird:

 

(b) NICHT(1x, Hf-5: scharf, fest)  offene Hand einhändig    00:041-00:42

‚Nicht!!‘

 

(c) NICHT(scharf, fest, 2H)  Zeigefinger-Handform zweihändig    00:42-00:43

‚Nicht!!‘

 

(d) NICHT(Hf-5, scharf, fest, 2H)  offene Hand zweihändig    00:43-00:44

‚Nicht!!‘

 

Die Beispiele (a) bis (d) zeigen deutlich, dass die Stärke und Dynamik der Bewegung und die Mimik dazu beitragen, den Befehl beziehungsweise die Verstärkung des Befehls umzusetzen. Wichtig dabei ist, die einmalige Bewegung bestimmt, klar und deutlich auszuführen.

Um eine Ablehnung oder Skepsis – eine der möglichen Funktionen einer Verneinung – zum Ausdruck zu bringen, existieren u.a. folgende lexikalisierte Gebärden:

 

(a) STIMMT-NICHT    00:16-00:17

‘Stimmt nicht.’

 

(b) ERFUNDEN    00:18-00:19

‘Erfunden.’

 

(c) ERGÄNZEN-VIEL    00:19-00:21

‘Hinzudichten.’

 

Die Beispiele (a) bis (c) sind als Grundformen (Grundformen der manuellen und nichtmanuellen Komponenten) zu verstehen. Die Modifikation der manuellen und nichtmanuellen Komponenten verstärkt oder schwächt ab. Folgendes Beispiel zeigt zuerst eine verstärkte und dann eine abgeschwächte Variante der Grundform von ‘ÜBERRASCHUNG’:

 

(d)  00:28-00:31

 

Ablehnung oder Skepsis können auch durch die verneinende Gebärden ‚NICHT‘ (mit Zeigefinger-Handform oder offener Hand) vermittelt werden.

Es folgt ein Vergleich von Grundform, Abschwächung und Verstärkung anhand der Beispiele ‚ÜBERRASCHUNG‘ und ‚STIMMT NICHT‘:

 

Grundform:

 

(e 1) GLAUBEN  NICHT(1x)    00:47-00:49

‘Das glaube ich nicht!’

 

(e 2) GLAUBEN  NICHT(1x:stark betont)    00:47-00:49

‘Das stimmt nicht!’

 

Abgeschwächte Variante:

 

(f 1) GLAUBEN  NICHT(mehrmals, klein)    00:49-00:51

‘Das glaube ich nicht wirklich.’

 

(f 2) STIMMEN-NICHT(alpha)    00:56-00:57

‘Das stimmt kaum.’

 

(g 1) STIMMEN-NICHT(alpha, gross )   00:51-00:53

‘Das kann ich unmöglich glauben!

 

(g 2) STIMMEN-NICHT(alpha, gross, stark betont)   00:55-00:56

‘Da kann absolut nicht stimmen!

 

In der gesprochenen Sprache ruft die Modulation der Stimme den gewünschten Effekt hervor. In der geschriebenen Sprache sind es Interpunktion, das Hinzufügen verstärkender oder abschwächender Worte und das Hervorheben einzelner Worte.

 

Die Haltung des Oberkörpers spielt ebenfalls eine Rolle, wenn es um die Differenzierung einer Verneinung geht. Im Falle der Ablehnung oder Skepsis ist der Oberkörper in der Regel rückwärtsgerichtet. Wird er dennoch nach vorne gerichtet, so kommt dies einer Behauptung oder Bekräftigung gleich:

 

(h) GLAUBEN  NICHT(betont, lang)    01:15-01:16

‚Das glaube ich nie und nimmer!

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