Lexikalisierung / Lexikalisierte Gebärde/Lexikon

Lexikalisierung bezieht sich auf die Aufnahme einer bestimmten Form in das Lexikon einer Sprache; die Form kann eine völlig neue Form sein oder auf bereits vorhandenen Elementen basieren. [übers. aus Atlas Proj. 2020]
Eine Gebärde wird als ‘lexikalisiert’ bezeichnet, wenn sie im mentalen Lexikon einer Mehrheit der Gebärdenden gespeichert ist und damit zum Wortschatz einer Gebärdensprache gehört. Das Gegenteil von lexikalisierten Gebärden sind Augenblicksbildungen, die spontan produziert und verstanden werden, aber zunächst nicht zum Wortschatz einer grösseren Gemeinschaft gezählt werden.
Ein grundsätzliches Problem der Gebärdensprache liegt darin, dass bis heute die Meinungen unter den Gebärdensprachforschern weit auseinandergehen, wenn es darum geht zu bestimmen, was als lexikalische Einheit in Gebärdensprachen angesehen werden soll. Dies hängt u.a. mit dem geringen Grad der Standardisierung bzw. Lexikalisierung zusammen (Konrad 2011). In diesem Handbuch werden die Gebärden als «lexikalisiert» bezeichnet, entsprechend der Erfahrung und Intuition der L1 gehörlosen Gebärdenden, die an diesem Projekt arbeiten. Für das DSGS-Team hat ein lexikalisiertes Gebärde eine feste Grundform und Bedeutung _ im Gegensatz zu produktiven Gebärden. Diese lexikalisierten Gebärden werden manchmal auch als «eingefrorenes Lexikon» bezeichnet.
Linguisten haben lexikalisierte Gebärden auch als zum Kern, zum etablierten oder eingefrorenen Lexikon gehörend bezeichnet.

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