16.31 Intimes Register

Voraussetzung für das Kommunizieren im intimen Register ist, dass sich die am Gespräch Beteiligten (Dialog oder Gruppe) sehr gut kennen, zwischen ihnen eine sehr grosse Nähe, eine tiefe Verbundenheit besteht. Dies ist zum Beispiel zwischen Familienangehörigen und in engen Freundschaften der Fall. Die Beteiligten haben viel zusammen erlebt, durchgemacht, unternommen und Zeit zusammen verbracht, so dass sie sich sehr gut kennen.

Das Turn-Taking (‘Sprecher’wechsel) im intimen Register erfolgt blitzschnell und sehr häufig. Auch wenn die Sätze oft nicht vollständig sind, verstehen sich die Beteiligten. Fachbegriffe werden nicht benutzt.

Da der Anteil an Mimik, Mundformen, Blick und/oder Bewegungen der Augenbrauen vergleichsweise grösser ist und weil die Beteiligten auf einen gemeinsamen Kontext zurückgreifen können, wird auch verstanden, was ‘zwischen den Zeilen’ liegt. Sie grenzen sich damit von Aussenstehenden ab – die dem Gespräch nicht folgen könnten – und signalisieren so ihre spezielle Verbundenheit. Dazu kreieren sie teilweise auch eigene «Geheim»-Gebärden, die Aussenstehende nicht verstehen. Dies setzt voraus, dass sich die Beteiligten sehr gut kennen, sich sehr nahestehen, sehr gut befreundet sind. Die manuellen Komponenten Handform und Handstellung werden im intimen Register oft schnell und weniger präzise ausgeführt, dennoch ist gegenseitiges Verstehen möglich. Der Gebärdenraum, welcher für die Positionierung von Referent:innen genutzt wird, ist kleiner. Beim Referenzieren ersetzt der Blick den Index, der Bezug zur Referenz ist dennoch klar. Die Bewegung ist schnell, der Sprachfluss rasant. Zudem wird häufiger der Kontakt zum eigenen Körper hergestellt, es wird näher beim Körper gebärdet und der eigene Körper wird häufiger berührt.

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