16.34 Formelles Register

Das formelle Register kommt in Situationen zum Tragen, in denen ein/e Vortragende/r zu einem Publikum unterschiedlicher Grösse spricht/gebärdet. Der/die Vortragende verfügt über einen breiten Erfahrungsschatz oder über umfangreiches Wissen und übermittelt Informationen von hoher Relevanz, die verstanden werden müssen. Während des Beitrags der vortragenden Person verläuft die Kommunikation nur in eine Richtung, es findet keine (verbale) Interaktion/kein Turn-Taking statt. Zur Beantwortung von Fragen wird der/die Fragesteller:in nach vorne gebeten. Vortragende/r und Publikum sind nicht vertraut miteinander, es besteht eine Distanz (auch physisch) und oft eine klare Asymmetrie. Die Beiträge der Vortragenden zeichnen sich durch vollständige und komplexe Sätze sowie komplexe Themen und zahlreiche thematische Verknüpfungen aus.

Via Mundbild des/der Vortragenden werden viele Fachwörter übermittelt. Die Mimik ist dezenter als in den anderen Registern. Die manuellen Komponenten Handform und Handstellung werden sehr präzise ausgeführt, die Anzahl an verwendeten Handformen kann sich aber auf eine bestimmte Auswahl beschränken. Um Referent.innen zu positionieren, wird der Gebärdenraum deutlich ausgedehnt und die Bezugnahme geschieht häufiger mittels flacher Hand mit Handfläche nach oben. Eine andere Möglichkeit ist folgende: Der/die Vortragende verändert seine/ihre eigene Position (zum Beispiel Schritt nach rechts oder links), um eine/n Referent:in zu verorten und kann sich später wieder auf diese/n beziehen, in dem diese Position (Schritt nach rechts beziehungsweise nach links) erneut eingenommen wird.

Das Tempo beim Gebärden ist langsam (jedoch geprägt vom individuellen Stil des/der Vortragenden), der Ablauf geordnet, der Sprachfluss ebenfalls eher langsam, was zum besseren Verständnis beiträgt.

Das formelle Register ist zum Beispiel zu sehen bei wichtigen Auftritten eines/einer Präsident:in, bei Eröffnungsreden, bei formelleren Informationsanlässen, bei der Information über den standardisierten Ablauf einer Vereinsversammlung, in einem Vortrag, der ein spezifisches Fachthema vertieft, bei einer Ehrung, bei diversen im Fernsehen übertragenen Anlässen, bei Vorträgen im Bildungsbereich, an Universitäten, bei unterschiedlichen Fachanlässen oder im Bankenwesen.

Ein herausstechendes Merkmal des formellen Registers ist die Symmetrie beim Gebärden durch das Einsetzen beider Hände, auch bei der Indexierung (Index-Handformen oder flache Hände mit Handfläche nach oben). Zudem wird oft PALM UP (ebenfalls zweihändig) eingesetzt und die Gebärden sind grösser.

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