16.35 Kontinuum und nichtmanuelle und manuelle Komponenten

Die Merkmale der unterschiedlichen Sprachregister in Gebärdensprache hängen stark mit der Sprachmodalität, mit den nichtmanuellen und manuellen Komponenten zusammen.

So können die Sprachregister auf einem Kontinuum angeordnet werden (von links nach rechts: intimes, informelles, beratendes, formelles, erstarrtes Register), welches auf der unterschiedlichen Ausprägung der nichtmanuellen und manuellen Komponenten beruht. Die Präzision von Handform und Handstellung, die Grösse des Gebärdenraums zur Positionierung von Referent:innen, der Anteil an Körperkontakt sowie das Tempo beim Gebärden nehmen von links (intimes Register) nach rechts (erstarrtes Register) zu. Auch die Ausprägung der nichtmanuellen Komponenten lässt sich auf diesem Kontinuum betrachten. Die Stärke der Mimik nimmt von links (intimes Register) nach rechts (erstarrtes Register) ab, sie wird zunehmend dezenter, der Anteil an Mundbildern jedoch wird grösser.

 

Es ist dabei zu beachten, dass dieses Kontinuum nicht nur der Beschreibung unterschiedlicher Sprachregister dient, sondern auch in der Kommunikation mit unterschiedlichen Zielgruppen – unabhängig vom Register – anzutreffen ist. Die Merkmale unterschiedlicher Sprachregister und der Kommunikation mit bestimmten Zielgruppen können sich also überschneiden. Um beispielsweise mit Kindern verständlich zu kommunizieren, wird langsam, klar und deutlich gebärdet und die Referent:innen werden im Gebärdenraum präziser und häufiger verortet (Kontinuum eher rechts). Das Kommunizieren mit Jugendlichen hingegen ist eher Richtung Mitte des Kontinuums anzusiedeln. Keines der beiden Beispiele aber bezieht sich auf ein bestimmtes Sprachregister.

No Comments

Post A Comment

Skip to content