Für ungeschriebene Sprachen, wie z.B. Gebärdensprachen, ist die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht (Face-to-Face) die normale Form der Kommunikation. Dies beeinflusst die Art der verwendeten sprachlichen Strukturen, einschliesslich der Möglichkeit, nicht-manuelle Komponenten für linguistische Zwecke zu verwenden und die Sätze so zu strukturieren, dass sie von den Adressaten in Echtzeit verarbeitet werden können.

Das Fingeralphabet dient dazu, Wörter der gesprochenen Sprache zu buchstabieren, wobei für jeden geschriebenen Buchstaben eine spezielle Handform verwendet wird. Dies ist eine Art der Darstellung von Wörtern der gesprochenen Sprache, nicht von Gebärden. Gebärdende können diese Methode für Begriffe verwenden, für die es keine etablierten Gebärden gibt. DSGS-Gebärdende verwenden in der Regel oft Mundbilder zu diesem Zweck anstelle des Fingeralphabets.

Flexion bezeichnet in der Lautsprache die Bildung der einzelnen Wortformen (auch: Flexionsformen) eines bestimmten Worts (z.B. fliege, fliegst, fliegt, fliegen; oder Kind, Kinder, Kindes, Kindern). Das Wort wird in seiner Form modifiziert (oder: flektiert/gebeugt), um bestimmte morphosyntaktische Merkmale wie z.B. Numerus, Person und Tempus (bei Verben) und Kasus (bei Nomen) auszudrücken. In Bezug auf Gebärdensprachen wird Flexion mit Ausdrucksweisen von Übereinstimmung (siehe ->Übereinstimmungsverben), Aspekt, und Pluralität/Mehrzahl in Zusammenhang gebracht.

Ein formelles Register beinhaltet die Verwendung von lexikalischen Elementen und nicht-manuellen Komponenten, die als angemessen und höflich für den Gebrauch in formelleren Situationen angesehen werden. Diese können von grösseren Klassenzimmern bis hin zu Gesprächen vor einem grossen Publikum oder in einer formellen Situation, wie einer Hochzeit, reichen. Einige Formen der Gebärden, die man unter Freunden verwendet, würden in einem formelleren Rahmen nicht als höflich gelten. Die Verwendung von sehr kleinen Gebärden kann – zum Beispiel wenn das Publikum sehr gross ist – möglicherweise als nicht angemessen betrachtet werden, da diese nicht von allen wahrgenommen werden können.

Es gibt zwei Fragearten: Entscheidungsfragen oder W-Fragen
(a) Entscheidungsfragen werden auch Ja/Nein-Fragen genannt. Zum Beispiel kann die Entscheidungsfrage «Ist das Restaurant gut?» (RESTAURANT IXa GUT IXa?) einfach mit einem Ja oder Nein beantwortet werden. In Gebärdensprachen werden Entscheidungsfragen obligatorisch von einer fragenden NMK begleitet (z.B. Hochziehen der Augenbrauen).
(b) Ergänzungsfragen können Fragegebärden wie WANN, WARUM, WAS, WER, WIE, WO enthalten, weshalb sie auch als W-Fragen bezeichnet werden. In Gebärdensprachen werden diese Arten von Fragen obligatorisch von einer NMK wie hochgezogenen oder gerunzelten Augenbrauen begleitet. Diese Arten von Fragen können auch von einer Frage-Gebärde, bei der die ganze Hand mit der Handfläche nach oben (Palm-Up) gehalten wird, begleitet werden.
Rhetorische Fragen sind keine echten Fragen, sondern eher ein rhetorisches Mittel.

Ein Fragesatz ist eine der grundlegenden Satzformen. Es gibt zwei Arten von Fragesätzen: Ergänzungsfrage (oder W-Frage) und Entscheidungsfrage (oder Ja/Nein-Frage)

Die verschiedenen Gebärdenarten beziehen sich auf Gruppierungen von Gebärden nach unterschiedlichen Kriterien. Die Gebärdenarten werden typischerweise wie folgt unterteilt:
– Lexikalisiert vs. produktiv unterscheidet zwischen dem Grad der Konventionalisierung der Gebärdenform und der Bedeutung;
– ikonisch vs. willkürlich, wobei unterschieden wird, inwieweit die Form der Gebärde einen Aspekt ihrer Bedeutung widerspiegelt;
– einheimisch vs. nicht-einheimisch unterscheidet, zwischen Gebärden, die innerhalb der Gebärdengemeinschaft entwickelt wurden, und Gebärden, die aus einer anderen Gebärdensprache entlehnt oder von einer mit dem Fingeralphabet geschriebenen Form einer gesprochenen Sprache abgeleitet wurden (wie z. B. initialisierte Gebärden).

Der Gebärdenraum ist der dreidimensionale Raum, in dem die Gebärdensprache artikuliert wird. Er erstreckt sich so weit, wie die gestreckten Arme vor, neben und über dem Körper des/der Gebärdenden reichen können. Dieser normale Gebärdenraum kann vergrössert werden, um z. B. auf einer Bühne oder zu jemandem in der Ferne zu gebärden. Der Raum kann kleiner sein, wenn man keine Aufmerksamkeit erregen will, wie beim Flüstern. Für das Gebärden in digitalen sozialen Medien (Skype, Zoom usw.) kann der Gebärdenraum auch stärker als üblich eingeschränkt werden, um auf den Computerbildschirm zu passen.

Wenn Linguistinnen ihre Forschungsergebnisse niederschreiben, müssen sie den Gebärdensprachen, die sie untersuchen, oft Namen geben. Im Folgenden finden Sie eine Liste einiger dieser Namen, die in Publikationen verwendet werden (nicht alle davon werden von den Gebärdenden dieser Sprachen selbst verwendet).
ASL = American Sign Language (auch in Kanada verwendet)
Auslan = Australian Sign Language
BSL = British Sign Language
CSL (oder ZGS) = Chinese Sign Language
DGS = Deutsche Gebärdensprache
DSGS = Deutschschweizer Gebärdensprache
DTS = Dansk Tegnsprog (Dänische Gebärdensprache)
ISL = Irish Sign Language
ISL = Israeli Sign Language / Shassi
JSL = Japanese Sign Language
LGP = Lingua Gestural Portuguesa (Portugiesische Gebärdensprache)
LIBRAS = Lingua Brasileira de Sinais (Brasilianische Gebärdensprache)
LIS = Lingua Italiana dei Segni (Italienische Gebärdensprache)
LIS-SI = Lingua Italiana dei Segni Svizzera (LIS-S = Lingua Italiana dei Segni Svizzera)
LSA = Lengua de Señas Argentina (Argentinische Gebärdensprache)
LSB = Langue des Signes Belge (Französische-Belgische Gebärdensprache)
LSE = Lengua de Signos Española (Spanische Gebärdensprache)
LSF = Langue des Signes Française
LSF-SR = Langue des Signes Français Suisse
LSM = Mexican Sign Language
LSQ = Langue des Signes Québécoise
NGT = Niederlandse Gebarentaal (Niederländische Gebärdensprache)
NTS = Norsk tegnspråk (Norwegische Gebärdensprache)
ÖGS = Österreichische Gebärdensprache
PJM = Polski Język Migowy (Polnische Gebärdensprache)
SSL = Swedish Sign Language (Schwedische Gebärdensprache)
SVM = Suomen vittomakieli (Finnische Gebärdensprache)
TID = Türk İşaret Dili (Türkische Gebärdensprache)
VGT = (Vlamse Gebarentaal) (Flämische Gebärdensprache)

Viele Gebärdensprachforscher unterscheiden zwischen ‚Gesten‘, die sowohl von Gebärdenden als auch von Sprechern bei der Kommunikation verwendet werden, und ‚Gebärden‘, die nur von Personen verwendet werden, die mit einer Gebärdensprache kommunizieren. Ein Beispiel für eine Geste, die von Gebärdenden verwendet wird, ist das Flattern der Hand oder des Arms, um die Aufmerksamkeit eines anderen Gebärdenden zu erhalten.

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