In Gebärdensprachen findet eine Reduktion statt, wenn eine der phonologischen Komponenten einer Gebärde (ihre Bewegung, Handform, Ausführungsstelle, Orientierung oder nicht-manuelle Komponenten) verändert wird, was zu einer kürzeren Form führt. Gebärden, die ursprünglich aus zwei aufeinanderfolgenden Segmenten (Komposita) bestehen, werden oft auf ein Segment (einsilbig) reduziert, das schneller zu produzieren ist. Zum Beispiel werden die zwei separaten Gebärden GEBÄRDE und SPRACHE mit einer Modifikation der Bewegung zu der einen Gebärde GEBÄRDENSPRACHE.
Auch in der Alltagssprache wird von GS-Nutzer*innen häufig nicht die Zitat-Form benutzt, sondern eine komprimierte, kürzere Artikulation. So können gewisse Gebärden zusammengefügt/fusioniert werden.

Referent bezeichnet das Referenzobjekt in der aussersprachlichen Wirklichkeit, auf das sich der/die Gebärdende mit einem Gebärdenausdruck bezieht und dadurch identifizierbar macht. Referenzobjekte können nicht nur Menschen, Tiere, Dinge oder andere physikalische Entitäten in der realen Welt sein, sondern auch abstrakte Ideen. Zum Beispiel bezieht sich das Gebärde HUND auf ein domestiziertes Hundetier.

Ein Reflexivpronomen ist eine Art Pronomen, das sich auf das Subjekt des Satzes bezieht.
Deutsches Beispiel: Der Mann freut sich.
In DSGS wird dafür oft die Gebärde SELBER verwendet.
EIN MÄDCHEN KLEIN IX-3 SELBER-3 PROD-waschen(Gesicht)
‚Ein kleines Mädchen wäscht sich sein Gesicht.‘

Das Register der Sprache ist die Art und Weise, wie man seine Sprache an bestimmte Situationen anpasst. Ein Vorstellungsgespräch oder eine Rede vor einem grossen Publikum erfordert in der Regel ein formelles Register, während man mit Freunden ein informelleres Register verwendet. Für sehr enge Freunde, die sich gut kennen, wird ein intimes oder privates Register verwendet. In Gebärdensprachen wie DSGS kann man durch die Verwendung von lexikalischen Elementen, die für das jeweilige Register angemessen oder höflich sind, sowie durch die Änderung des Umfangs und der Menge der verwendeten nicht-manuellen Komponenten erkennen, welches Gebärdenregister man benutzt.

Ein Relativpronomen kann am Anfang eines abhängigen Relativsatzes stehen.
In DSGS fungiert der Bezugsindex als eine Art Relativpronomen. Manchmal wird der Relativsatz in DSGS nicht durch eine lexikalische Form eingeleitet, sondern nur durch nicht-manuelle Komponenten.

Relativsätze sind komplexe Sätze (Satzgefüge), bei denen im abhängigen Satz zusätzliche Informationen gegeben werden, wie im Beispiel «Meine Freundin, die du morgen kennen lernst, ist eine tolle Köchin». Relativsätze werden in DSGS vor allem mit nicht-manuellen-Komponenten (NMKs) markiert.

Bei einer rhetorischen Frage handelt es sich nicht um eine «echte» Frage, auf die man eine Antwort erwartet, sondern um eine rhetorische Form, bei der die Antwort in der Frage enthalten ist. Rhetorische Fragen werden oft verwendet, um etwas zu betonen oder jemanden von etwas zu überzeugen. Beispiel: «Ist das nicht unglaublich?», oder «Ist das nicht schon bewiesen worden?»

Die Gebärdenden können wählen, ob sie aus ihrer eigenen Perspektive (Erzählerperspektive) oder aus der Perspektive einer anderen Entität, die eine Person oder ein Objekt sein kann (Teilnehmer Perspektive), gebärden. Der Gebärdende kann innerhalb des Diskurses schnell zwischen diesen Rollen wechseln. Beim Rollenwechsel werden in der Regel nicht nur die nicht-manuellen Komponenten (wie Körperausrichtung, Gesichtsausdruck und Blick) geändert, sondern auch die Richtung der Bewegungen und die Ausrichtung der Hand (wie bei Sätzen mit Pronomen).

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