Die Pluralpronomen machen keine Angaben zur genauen Anzahl der enthaltenen Referent:innen. Gruppierungen bis zu fünf können jedoch durch die Inkorporation der entsprechenden Zahl dargestellt werden.

Nachfolgend einige Beispiele, wie diese Inkorporationen ausgeführt werden:

(a)

IX-3pl(Zahl-fünf)   – 00:20-00:42

 

Bei Gruppen von über fünf Referent:innen wird die entsprechende Zahlgebärde dem Pluralpronomen vorangestellt: Ein Beispiel:

(b)

SIEBEN  IX-3pl

SIEBEN  PERSONpl  IX-3pl

SIEBEN  IX-2pl

SIEBEN  PERSONpl  IX-3pl

– 00:50-00:57

Wenn mehrere Referent:innen verortet werden sollen, so geschieht dies an unterschiedlichen Stellen (Loki) im Gebärdenraum. Rechtshänder:innen setzen Indexe eher vor dem Körper bis rechts im Gebärdenraum, bei Linkshänder:innen verhält es sich genau umgekehrt.

Die nichtdominante Hand (ndH) kann das Indexieren auf zuvor mit der dominanten Hand (dH) verortete und indexierte Referent:innen übernehmen. Zur Verdeutlichung ein Beispiel:

(a)

dH:   POSS-1CHEF   IX-3   NICHT  DA  |  SELBER3  NICHT   EINVERSTANDEN  |  HEUTE   FREI  ||  – 00:28-00:37

ndH:                                              IX-3(hold) ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––   ||    

Mein Chef ist nicht da. Er ist nicht einverstanden, dass wir heute frei nehmen.

 

In diesem Beispiel wird der ‘Chef’ zunächst mit der dH verortet und indexiert. Anschliessend übernimmt und hält die ndH den Index (‘er’). Das Halten (hold) durch die ndH dient dabei als Orientierungspunkt. Während mit der dH weiter gebärdet wird, bleibt ersichtlich, welcher Teil der Aussage sich auf den Chef bezieht. Die gehaltene Indexierung durch die ndH wird als Boje bezeichnet. Wie eine schwimmende Boje ein Schiff an Ort und Stelle hält, so hält diese Boje die Referenz über mehrere mit der dH ausgeführte Gebärden hinweg aufrecht. Das gleichzeitige Benutzen der dH und ndH macht die Kommunikation effizient und stellt stets klar, auf welche Referent:in Bezug genommen wird.

Die Gebärde ‘SELBER’ kann auch eine reflexive Bedeutung haben (analog zum Reflexivpronomen im Deutschen). Sie betont dann, dass eine Handlung von der handelnden Person selbst ausgeführt wird. Die Gebärde ‘SELBER’ wird an jenem Lokus produziert, an dem zuvor die Person verortet wurde. Dazu ein Beispiel:

(a)

EIN  MÄDCHEN  KLEIN IX-3  SELBER3  PROD-waschen(Gesicht) II – 00:11-00:16

‘Ein kleines Mädchen wäscht sich sein Gesicht.’

Als Bezugsindex kann ebenfalls die Gebärde ‘SELBER’ dienen.

 

(a) SELBER– 00:16-00:17

Hierzu ein Satzbeispiel:

(b)

GESTERN  POSS-1  FREUND  ICH  IX-3   1TREFFEN3a |

(mit NMK-Mimik diese! SELBER3) )  ICH  KENNEN  1BEIDE3  AUFWACHSEN  ||00:12-00:20

‘Gestern habe ich meine Freundin getroffen, die ich von klein auf kenne.’

Der Bezugsindex nimmt innerhalb eines Satzes die Funktion eines Relativpronomens ein. Der Index wird von einer bestimmten Mundform und Kopf- und Oberkörperhaltung begleitet:

(a)

Blickrichtung/Mimik:    ix-3   (bestimmt/diese!)

Hände:                            IX-3    – 00:00-00:04

 

Ein Bezugsindex verbindet zwei Hauptsätze (b) zu einem Satzgefüge (c):

(b)

Satz 1:    GESTERN   POSS-1   FREUND   IX-3  ICH  1TREFFEN||

Satz 2:    IX-3ICH  KENNEN   SCHON   VERGANGENHEIT(mb:lange)  ||  – 00:30-00:37

‘Gestern habe ich meine Freundin getroffen. Ich kenne sie schon lange.’

 

Nichtmanuelle Komponenten markieren den Unterschied zwischen dem Hauptsatz (1) und dem eingebetteten Relativsatz (2).

(c)

GESTERN   POSS-1   FREUND  | (mit NMK-Mimik:  ICH   IX-3  ICH  KENNEN  VERGANGENHEIT(mb:schonlang)  AUFWACHSEN)  |   ICH  1TREFFEN3  ||  – 00:43-00:50

Satz (1): Kinn: hoch     Satz (2): Kopf hinten+Mimik gespannt      Satz (1) Kinn: hoch

‘(1) Gestern habe ich meine Freundin, (2) die ich schon seit meiner Kindheit kenne, (1) getroffen.’

 

Der Bezugsindex liefert also zusätzliche Informationen zur/zum eingeführten Referent:in und leitet einen Relativsatz ein.

 

Zur Veranschaulichung ein weiteres Beispiel zweier Hauptsätze (d), die mittels Bezugsindex zu einem Satzgefüge (e) zusammengeführt werden:

 

Bezugsindex als Form der lexikalisierten Relativpronomen –  Beispiel  1

 

Satz 1: VERGANGENHEIT  SOMMER  FERIEN  |   ICH   IXa  HOTEL  IXa  WEILENa  ||

‘Die letzten Sommerferien habe ich im Hotel verbracht.’

Satz 2:   POSS-1  MUTTER  IX-3  VORSCHLAGEN  IXa  HOTEL  ||  – 00:00-00:10

‘Meine Mutter hatte mir dieses Hotel vorgeschlagen.’

 

 

Satz 3: VERGANGENHEIT  SOMMER  FERIEN  ICH  IXa  HOTEL |  (mit NMK-Mimik: IXPOSS-1  MUTTER   VORSCHLAGENa  IXa)  |  ICH   IXa  WEILEN  FERIEN  IXa  ||  – 00:17-00:24

‘(1) Die letzten Sommerferien habe ich in dem Hotel, (2) das mir meine Mutter vorgeschlagen hatte, (1) verbracht.’

 

Die einzelnen Satzteile sind durch unterschiedliche Mimik und Stellung von Kopf und Oberkörper gekennzeichnet, wie in folgendem Beispiel erläutert wird:

 

Bezugsindex als Form der lexikalisierten Relativpronomen –  Beispiel  2

 

IXa   BROT   IX(Mit NMK-Mimik: GESTERN  ICH  KAUFEN   IXa  FEIN  (Geste: sehr)  ||  – 00:00-00:07

‘Das Brot, das ich gestern gekauft habe, ist sehr fein.’

 

Mimische Hinweise auf einen Relativsatz können subtiler ausfallen und von anderen Intentionen überlagert sein:

 

Bezugsindex als Form der lexikalisierten Relativpronomen –  Beispiel  3

 

IXa   HEMD  IXa   NEU  (Mit NMK-Mimik: DU  GESTERN  KAUFEN  IXaIXICH   GEFALLEN  NICHT  ||  – 00:04-00:06

‘Das neue Hemd, das du ja gestern gekauft hast, gefällt mir nicht.’

 

Der/die eingeführte Referent:in (das neue Hemd) (Topikalisierung) wird durch den Relativsatz spezifiziert (‘das du gestern gekauft hast’). Der Bezug wird durch die leicht geschlossenen Augen hergestellt. Das Kopfnicken bringt das gemeinsame Vorwissen zum Ausdruck (‘wie wir beide wissen’):

Danach folgt der Kommentar zum/zur Referent:in (‘gefällt mir nicht).

Die einzelnen Aussagen werden durch die wechselnde Stellung von Oberkörper und Kopf differenziert.

Formelles Register:

Das benutzte Sprachregister manifestiert sich in der Handform, mit welcher die Personalpronomen gebildet werden. In einem formellen Register (z.B. Vorlesung, besonderer Anlass, Anwesenheit spezieller Gäste) wird anstelle des Index die flache Hand mit Handfläche nach oben verwendet:

IX-2(Hf-B)    

IX-3(Hf-B)    

Privates Register:

In einem intimen beziehungsweise privaten Register oder beim ‘Flüstern’ zeigt sich ein Personalpronomen diskreter. Der Index wird weiter unten im Raum, näher am Körper und in einem kleineren Radius, also weniger offensichtlich, ausgeführt. Auf dieselbe Weise kann auch mittels ausgestrecktem Daumen auf eine anwesende Person referenziert werden.

IX-3(Hf-A)

 

Möglich ist das Referenzieren in diesem Register auch alleine durch die Blickrichtung, wie folgendes Beispiel zeigt:

(a)

Blickrichtung:        ix-3

Hände:                          SCHWANGER  ||    – 00:58-01:00

‘Sie ist schwanger.’

Personalpronomen sind bestimmte Pronomen. Sie beziehen sich entweder auf in der Kommunikationssituation anwesende oder auf zuvor eingeführte Referent:innen. Unbestimmte Pronomen stehen stellvertretend für nicht näher identifizierbare, also allgemeine beziehungsweise beliebige Referent:innen.

 

Das Hinweisen auf bestimmte Referent:innen kann mit unterschiedlichem Nachdruck erfolgen.

 

Folgende Mimik und die Wiederholung der hinweisenden Bewegung betonen, dass auf diese/n (!) Referent:in Bezug genommen wird:

(a) ‘Diese (!)’ – 00:41-00:46

 

Das Hinzufügen der Gebärde ‘PERSON’ kann die Betonung ebenfalls verstärken:

(b) ‘Diese (!!) Person’ – 00:57-00:58

 

Soll noch stärker betont werden, dass genau diese/r Referent:in gemeint ist, wird ergänzend die Gebärde ‘SELBER’ hinzugefügt:

(c) ‘Diese (!!!) Person’ – 01:05-01:07

 

Die Gebärden ‘PERSON’ und ‘SELBER’ können in dieser Reihenfolge hinzugefügt werden, um die Betonung zu verstärken. Es ist aber auch möglich, sie je einzeln mit der beschriebenen Mimik und Bewegungswiederholung zu kombinieren.

 

Unbestimmte Pronomen werden durch die folgende Mundform, Mimik und Gestik (leichtes PALM-UP) und Bewegung von Kopf und Oberkörper markiert, welche Nichtwissen ausdrücken:

 

(d) Unbestimmter Referenzwert

PALM-UPup   IX-3   – 01:31-01:32  /  01:34-01:36

 

(e) Unbestimmter Referenzwert

Der Indexfinger H kann auch durch die Gebärde ‘PERSON’ ersetzt werden:

PALM-UPup   PERSON01:43-01:45

 

In beiden Varianten (d) und (e) drückt die nichtwissende Mimik und Gestik (leichtes PALM-UP) aus, dass der/die Referent:in nicht näher identifizierbar ist. Eine weitere Möglichkeit zeigt folgendes Beispiel, in welchem die Gebärde ‘EIN’ von Kopfschütteln begleitet wird:

 

(f) Irgendein Mann:

PALM-UPup  EIN(schütteln) MANN

PERSON  oder  IX-3   – 02:02-02:06

Ein Personalpronomen muss nicht zwingend mit dem ausgestreckten Zeigefinger gebildet werden. Im Plural kann die 5-Handform verwendet werden.

(a)

IX-1pl          IX-1pl(Hf-5)  – 00:18-00:23

‘wir’

 

(b)

IX-3pl          IX-3pl(Hf-5)  – 00:24-00:27

‘sie’

 

(c)

IX-2pl          IX-2pl(Hf-5)  – 00:24-00:27

‘ihr’

 

Mögliche Variationen von ICH  – 00:44-00:48

Singular und Plural unterscheiden sich in der Regel durch die Bewegungsausführung des Index. Während beim Singular einmal oder zweimal kurz auf den/die Referent:in gezeigt wird, führt der Zeigefinger beim Plural eine Bogen- beziehungsweise Kreisbewegung aus.

 

Ein/e Pluralreferent:in (z.B. die Kinder) kann aber beim zweitmaligen Bezug auch mit einer Singularform (die Gruppe von Kindern) indexiert werden, wie folgendes Beispiel zeigt:

(a)

IX-3­­­­­­­­­­pla   KINDER  HEUTE  SCHULE  IXa  ||  IX-3a  MORGEN  WEGGEHEN  FERIEN  ||00:44-00:51

‘Die Kinder haben heute Schule. Morgen gehen sie in die Ferien.’

 

Aus mehreren Einzelelementen im Plural (z.B. die Kinder) wurde eine Menge gebildet (die Gruppe der Kinder), welche nun im Singular steht. Aufgrund ihrer Position im Gebärdenraum ist sie eindeutig identifizierbar.

Skip to content